Sa Pa, Vietnam

Sa Pa, Vietnam
Sa Pa, Vietnam
Sa Pa, Vietnam Die Sonne scheint, die Gegend ist eigentlich ganz abgelegen, aber eben, die Touristen…. Ich weiß, ich bin auch eine Touristin aber so viele andere Touristen nerven mich. Ich weiß es schon lange, ich bin kein Massentourismus-Mensch und jetzt bemühe ich mich gerade wieder ich selber zu werden. Das was ich heute war gefällt mir nämlich gar nicht. Ich fühle mich gestresst, habe zu wenig geschlafen und ziehe mich in mein „Schneckenhaus“ zurück. Was ist passiert? Das ganze fing schon gestern im Nachtzug an. Ein Angestellter des Hotels hat mich zum Bahnhof gebracht, meinen Rucksack getragen und mich in das Zugabteil begleitet. So weit so gut, nun sollte ich in einem 4-er Abteil in ein oberes Bett hinaufklettern, ohne Leiter oder auch nur irgendetwas um drauf zu stehen (außer auf das untere Bett wo schon eine etwa 40 jährige Alleinreisende aus Kanada saß. Hätte ich Anlauf genommen hätte ich bestimmt den Kopf angeschlagen, und wenn ich nachts eventuell raus muss? Ich habe mich entschieden mich zu weigern in einem oberen Bett zu schlafen. In das andere untere Bett könne ich nicht, deutete mir der Boy vom Hotel. Er rief seinen Boss an und rannte dann nach draußen. Keine zwei Minuten später kamen zwei nette junge holländische Backpacker und meine Frage „Would you mind…“ rückte alles richtig. Natürlich war es kein Problem für die beiden in die oberen Betten zu kriechen. Ein Gespräch war bereits im vollen Gange (mit den jungen Holländern) und ich hatte es mir schon im unteren Bett bequem eingerichtet, da kam der Hotelboy mit einem neuen Ticket, ich müsse jetzt das Abteil wechseln. Ich wollte ihm klarmachen, dass nun alles OK sei, da mischte sich die Kanadierin ein „you have to go out now“…. Und ich? ICH lasse mir das gefallen und trete den Rückzug an. Die Nacht im Zug war dann ein Geschüttel und Gerüttel, das Abteil aber sehr sauber und das Bett nicht mal ganz so unbequem, ab und zu konnte ich sogar etwas schlafen. Ich habe an meine letzte Fahrt im Nachtzug gedacht, da war es bedeutend lustiger. Ich war mit Theresia und Sunil unserem indischen Treckingführer im Himalaya und wir haben UNO gespielt und viel gelacht. Nun auch eine langweilige Nacht geht mal zu Ende, besonders wenn das Ende schon um 4.30 Uhr kommt. Am Bahnhof in Lao Cai warten Minibusse um die ankommenden Reisenden in die diversen Hotels zu verteilen. Meiner ist noch nicht da, also warten. Endlich im Minibus heißt es, warten (auf einen weiteren Zug). Und wie es mein „Glück“ heute so will…. Ihr erratet es sicher schon, die „nette“ Kanadierin sitzt im gleichen Minibus. Nun habe ich ja doch einiges gelernt und gehe ganz einfach auf sie zu und frage ob ich mich neben sie setzen dürfe „if you dont mind….“ Sie fand dass ich doch besser beim Fahrer vorne sitzen solle…. Nun das wars, Rückzug meinerseits auf der ganzen Linie. (Welcher verhassten Tante gleiche ich wohl?) Die Fahrt nach Sa Pa ist abwechslungsreich und geht in ständigen Kurven in die Berge hinauf. Sa Pa liegt 1300 m über Meer, das Wetter gleicht unserem im Oktober. Am Morgen eher kalt, etwas Nebel, aber beim wandern und wenn die Sonne scheint wird es angenehm warm. Das Frühstück wartet schon auf uns, danach wieder warten…. auf den Start der Trecking Tour um 9.30 Uhr. Und wer ist in meiner Gruppe? Und diese Frau bringt es doch tatsächlich fertig mich links liegen zu lassen und die anderen fünf der Gruppe in laufende Gespräche zu verwickeln – und ich lasse es mir gefallen und ziehe mich nun definitiv ins Schneckenhaus zurück. Auf der schönen, nicht sehr anstrengenden Tour werde ich von unserem Guide immer wieder gefragt ob es gehe, sobald eine Stelle kommt bei der es endlich etwas nach Trecking aussieht will er mich halten. Er meint es sicher sehr freundlich, aber heute erwischt er mich auf dem falschen Fuß. Beim etwa 6. mal nachfragen gebe ich zur Antwort „i’m very well, why should I not be well? I’m old but not stupid. Zum Glück hatte ich noch nie eine solche Teilnehmerin in meinen Seminaren – oder bin ich dann in einer andern Rolle? Tatsache ist man kann sich definitiv nicht ausweichen wenn man allein unterwegs ist. Nach der Trecking Tour erwartet mich eine ganz liebe Nachricht aus der Heimat, voll Aufmunterung, gerade im richtigen Augenblick. Es ist schön zu erkennen dass einem die Zufälle nur so ZUfallen! Also doch alles wieder gut und das Schneckenhaus zertrete ich jetzt endgültig, zumindest für den Rest der Reise! In der Region um Sa Pa gibt es mehrere Volksgruppen (in ganz Vietnam gibt es 54 Volksgruppen), welche als Minderheiten noch ganz ihre alten Traditionen leben. Wir dürfen auch in ein H Mong (ausgesprochen Hamong) Haus eintreten und ein ganzes Dorf stellt sich quasi als Museum zur Verfügung. Es gibt schwarze H Mong, blaue, rote und Blumen H Mong. Das bezieht sich auch auf ihre Kleidung, welche sie alle mit Hanf von den Feldern selber weben, nähen und besticken. Die Blumen H Mong haben ganz bunte Kleidung und Hüte, die wie Kopftücher aufgetürmt aussehen, die roten haben vorwiegend rote Farbe, die blauen blau und wie könnte es anders sein, die schwarzen H Mong tragen vorwiegend schwarz. Das ist mir schon im Museum in Hanoi aufgefallen, nun habe ich die Erklärung dazu. Die bunten plissierten kurzen Röcke habe ich aber doch schon im Hochland von China gesehen? auch die Menschen wirken auf mich genau so. Ich frage den Guide, das ist wenigstens ein Vorteil wenn man im Strom der Touristen mit schwimmt. Und tatsächlich die H Mong seien vor etwa 250 Jahren aus China eingewandert. Die Welt wird allmählich wirklich zu einem Dorf. Es ist toll wenn ich Altes mit dem Neuen kombinieren kann. Die Frauen machen wunderschöne Handarbeiten, vor allem besticken sie Kissenhüllen, kleine Taschen, Rucksäcke, Brillenetuis und vieles mehr. Der Verkauf dieser Handarbeiten ist ihr Verdienst und es ist fast schade dass ich nichts von diesen Dingen brauchen kann – und auch nicht die ganze Reise mitschleppen will. Auf der Tour besuchen wir auch eine Schule. Die Kinder haben gerade Mittagspause. Die Knaben spielen fast alle draußen eine Art Fußball mit einem Federball. Sie sind sehr geschickt, einige Mädchen schauen zu oder sind Schiedsrichter und zählen die Punkte. Auf einem Feld haben sie ein Netz gespannt und spielen mit eben diesen Federbällen Volleyball. Es ist eine Boarding School und die Bubenzimmer sind fast alle leer (weil fast alle am Spielen) und die paar wenigen Anderen sitzen auf ihren Betten mit ihren……HANDYS. In den Mädchenzimmern sieht es ganz anders aus. Fast auf jedem der Betten sitzen Mädchen und sticken. Genau solche Muster wie wir sie vorher im Dorf Cat Cat gesehen hatten. Nach eine schönen warmen Dusche mache ich mich allein auf um die Gegend zu entdecken.

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