Hanoi

Hanoi
Hoàn Kiếm, Vietnam
Hoàn Kiếm, Vietnam Die ganze Altstadt von Hanoi scheint ein einziger Markt zu sein, trotzdem will ich heute Morgen einmal zum grossen Dong Xuan Market gehen um mir das emsige Treiben dort anzuschauen. Man kann sich gar nicht vorstellen dass irgendjemand all diese Dinge kaufen will. Die Preise scheinen unschlagbar, zum Beispiel kann ich hier eine Daunenjacke, wie sie bei uns auch überall angeboten werden, für ca. CHF 24 kaufen, die Qualität scheint gleichwertig. Ich dränge mich durch die Menschen und geniesse zunächst das Gedränge um mich herum, als ich jedoch von einem Träger mit überdimensionalem Sack auf dem Rücken fast umgestossen werde habe ich genug und gehe wieder auf die etwas ruhigere Strasse. Auf dem Platz beim Hoan Kiem See kommt auf einmal ein „Schuhputzer“ auf mich zu, bückt sich und zeigt mir, dass meine Trecking-Sandalen fast ausgerissen sind. Ohne dass ich etwas antworten kann hat er schon einen speziellen Kleber in die offene Stelle gedrückt, mir einen Plastikschuh hingestellt, damit er meine Sandale befestigen kann. Ein Stuhl steht auch schon bereit, auf welchen ich mich währenddessen setzen kann. In Windeseile und sehr gekonnt näht er nun sämtliche Riemen an die Sohle an, will sogar noch die Absätze flicken, was ich zu verhindern weiss. Es ist mir von Anfang an klar, dass dies ein „Abriss“-Geschäft werden wird, aber meine geliebten Trecking-Sandalen, welche mich seit 2006 auf allen Reisen ohne Blasen begleitet haben, sind mir schon etwas wert. Die verrichtete Arbeit ist auch wirklich gut gemacht und ich bin bereit dafür etwas auszugeben. Der nette „Schuhputzer“ der recht gut Englisch spricht und mir alles über seine Familie erzählt hat will umgerechnet etwa CHF 40…. Nach einem langen Disput bedankt er sich für meine circa CHF 9, denn mein Argument, dass ich mir ja für den erstgenannten Preis hätte zwei Paar neue Schuhe kaufen können, leuchtet ihm ein, oder er hat gemerkt dass ich zwar Touristin aber nicht blöd bin. Er hat mir sogar die Sohlen meiner Trecking-Sandalen mit schwarzer Schuhwichse poliert. Erneut durch die Altstadt und dem See entlang bis zum Opernhaus, leider gibt es keinen offenen Ticketschalter, sonst hätte ich gerne eine Eintrittskarte für heute Abend gekauft. Auf dem Spaziergang zum Opernhaus bin ich bewusst den Galerien und Antiquitäten gefolgt. Es gibt ganz tolle Kunsthändler und Antiquitätengeschäfte ob echt oder unecht kann ich leider nicht beurteilen, verstaubt sind die vielen Dinge jedenfalls. Ein Künstler in einer Galerie hat es mir besonders angetan. Seine Bilder sind eine Mischung aus traditionellem und modernem Aspekt. Die Farbgebung würde hervorragend in mein Wohnzimmer passen. Das historische Museum liegt gleich neben dem Opernhaus, nur hat es heute zu und ein netter Rikschafahrer erklärt es mir und will mich stattdessen zum Women Museum bringen. Eine Rikschafahrt fehlt noch in meinem Katalog, also den Preis abgemacht und nun auf zum Frauen Museum. Was für eine tolle Sache ein Museum eigens für und über die Frauen Vietnams zu machen. Wie überall auf der Welt unternehmen die Frauen alles erdenkliche um ihren Kindern eine Erziehung, Schule und Ausbildung zu ermöglichen. Im Museum werden Geschichten erzählt von Straßenhändlerinnen in Hanoi, welche so den Lebensunterhalt für die Familie verdienen. Eine Geschichte möchte ich hier kurz andeuten: der Ehemann und Vater züchtet Schweine im Dorf woher sie kommen und verdient damit etwa USD 60 im Jahr, für den Rest muss die Frau mit ihrem Straßenhandel aufkommen! Es gibt aber auch ein ganzes Stockwerk über berühmte Frauen in Vietnam. Im Museumshop kann man von Frauen hergestellte Andenken kaufen. Im Vorhof des Museum sitze ich gemütlich in einer Lounge, trinke etwas und esse (schon wieder) Spring Rolls. Weiter geht mein Weg kreuz und quer, immer wieder entdecke ich noch andere Gassen und komme zur St. Josephs Cathedral. Nicht weit davon entfernt entdecke ich einen Beauty Salon und hier machen sie tatsächlich Schellack, also kurz entschlossen lasse ich mir die Füsse machen und die Kosmetikerin findet so Gefallen an meinen langen Fingernägeln dass sie unbedingt ihre neuen Nagellacke an mir ausprobieren will, ich müsse nicht mehr bezahlen… Das lasse ich mir gerne bieten. Mit schönen Finger- und Fussnägeln mache ich mich auf den Weg ins Hotel, da heute mein Skype Termin mit meiner Familie ist. Unterwegs sollen noch meine Füße massiert werden und auch dazu lasse ich mich gerne überreden. Ich freue mich sehr dass ich fast meine ganze Familie erreiche, den anderen hinterlasse ich eine Videobotschaft. Dank Skype fühlt man sich nicht ganz so weit weg von all den Lieben. Joy, meine kleine Enkelin, wollte schon zur Türe weil sie dachte dass ich jetzt dann gleich komme. So geht auch dieser vorgesehene letzte Tag in Hanoi dem Ende entgegen. Da ich morgen aber erst mit dem Nachtzug nach Sa Pa, ganz im Norden an die chinesische Grenze reisen werde, bleibt mir noch ein weiterer Tag in Hanoi. Ein Museum hat sich ja für mich aufgespart.

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